Die Kerngruppe «Kommunales Mobilitätsmanagement Rotkreuz»
(v. l.): Tobias Achermann, CEO Zug Estates; Peter Hausherr, Gemeindepräsident Risch; Dr. Annette Luther, General Manager Roche Diagnostics International AG; Ruedi Knüsel, Gemeinderat Risch, Vorsteher Planung/Bau/Sicherheit; Reto Loretz, Gemeindeverwaltung Risch, Bereichsleiter Verkehr/Sicherheit/Umwelt; Thomas Kieliger, Mobilitätsexperte. Als Gäste werden regelmässig Vertreter von Mobility, PostAuto und SBB eingeladen.

 

07.09.2017

Mobilitätsmanagement - Interview Thomas Kieliger

Rotkreuz wächst – damit auch der Bedarf an Mobilität. Gemeindevertreter und Private, darunter auch Zug Estates, suchen aktiv nach Lösungen. Geführt wird die Arbeitsgruppe Kommunales Mobilitätsmanagement Rotkreuz durch den Mobilitätsexperten Thomas Kieliger.

Interview und Text: Philipp Hodel, Nachhaltigkeitsbericht 2018

Sie unterstützen als Fachexperte die Arbeitsgruppe Kommunales Mobilitätsmanagement Rotkreuz. Zu welchem Zweck wurde die Gruppe gegründet?

Thomas Kieliger: Aufgrund der überdurchschnittlich guten Erreichbarkeit mit nahe liegendem Autobahnanschluss und hochfrequentiertem Bahnhof ist die Gemeinde Rotkreuz stark gewachsen. Die attraktive Lage gilt als Hauptargument vieler Zuzüger – sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen. Gemeinsam suchen wir nach Lösungen, damit dieser wichtige Standortvorteil bestehen bleibt.

Wie hat sich die Verkehrssituation in den letzten Jahren entwickelt?

Zu gewissen Uhrzeiten hat das Strassennetz seine Kapazitätsgrenze erreicht. Aber auch der ÖV ist zu Spitzenzeiten sehr gut ausgelastet. Auf den Perrons wie auch in der Unterführung herrscht Platzmangel. Verglichen mit anderen Gemeinden ist die Problematik nicht überdurchschnittlich hoch. Mit dem prognostizierten Wachstum aufgrund der weiterhin ungebrochenen Anziehungskraft wird sich die heute «ärgerliche» Situation aber weiter akzentuieren und könnte sich im schlimmsten Fall zu einem Contra-Argument für den Wohn- und Wirtschaftsstandort Rotkreuz entwickeln. Dies wollen wir verhindern.

Welche Aufgaben nimmt die Arbeitsgruppe wahr?

Mit der Gründung der Arbeitsgruppe «Kommunales Mobilitätsmanagement» sitzen die wichtigsten Akteure an einem Tisch. Wir sammeln, strukturieren, koordinieren und priorisieren die vorliegenden öffentlichen und privaten Initiativen. Damit nutzen wir Synergien, verhindern Doppelspurigkeiten und können gemeinsam für den Ausbau der ÖV-Drehscheibe Rotkreuz Lobbyarbeit betreiben. Und nicht zuletzt wollen wir gemeinsame Projekte starten.

Sind bereits konkrete Projekte in der Pipeline?

Es wurden verschiedene Ansätze für Rotkreuz bzw. die Region betreffend Mobilität diskutiert. Entscheide sind aber noch keine gefallen. Sämtliche Ansätze, die wir in der Gruppe diskutieren, werden in einem Ideenpool aufgelistet und priorisiert.

Gäbe es Massnahmen, die kurzfristig realisiert werden könnten?

Zunächst müssen betriebliche Massnahmen geprüft werden wie zum Beispiel Pooling- oder Sharing-Möglichkeiten von Fahrrädern (Velos, E-Bikes, E-Scooter) oder Autos. Zudem brauchen wir eine professionelle Mobilitätsberatung für Anwohner und Unternehmen. Mit Informationsveranstaltungen können wir viel zum Verständnis beitragen und bestenfalls eine Verhaltensänderung bewirken. Als wichtig erachte ich ebenfalls die ÖV-Erschliessung des Industriegebiets. Kurzfristig wird die Passarelle beim Bahnhof Rotkreuz erstellt. Mittel- und langfristig gesehen würde die Realisierung des Bypasses Forrenkreisel, des Autobahn-Halbanschlusses Buonas sowie eine Erhöhung der SBB-Taktfrequenz in Richtung Zürich und Luzern grosse Entlastung bringen.

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe?

Ich erkenne vonseiten der Privatwirtschaft die uneingeschränkte Bereitschaft, an der Problemlösung aktiv mitzuarbeiten. In anderen Gemeinden, wo ich mitwirke, wird das Problem oftmals von den Privaten auf die Behörden abgeschoben. Das ist hier nicht der Fall. Daher bin ich davon überzeugt, dass wir die Entwicklung in den Griff bekommen werden.

Kann das persönliche Mobilitätsverhalten geändert werden?

Das ist in der Tat eine Herkulesaufgabe. Wer seit 20 Jahren mit dem Auto zur Arbeit fährt, wird sich nur schwer für den ÖV begeistern lassen. Ein Umdenken in diesen Fragen ist sehr schwierig. Grundsätzlich muss die Lust auf eine andere Form der Mobilität geweckt und zudem müssen die Einstiegshürden für neue Angebote gesenkt werden.

Der Interviewpartner

Thomas Kieliger, dipl. Bauingenieur ETH Zürich, verfügt über fundiertes Führungs- und Fachwissen im Bauingenieurwesen aus 20 Jahren Erfahrung in Verwaltung und Privatwirtschaft. Unter anderem übernahm er als Kantonsingenieur die Leitung des Tiefbauamts des Kantons Zürich.