21.06.2017

Interview mit Thomas Laux

Zero-Zero heisst die Vision von Zug Estates. Thomas Laux, Leiter Energie- und Gebäudetechnik bei Zug Estates, spricht über seine Arbeit zur Erreichung dieses Ziels bei Neubauten und im Bestand.

Zero-Zero ist das Ziel für das Portfolio von Zug Estates. Was sind Ihre täglichen Herausforderungen zur Erreichung dieses Ziels?

Mein Hauptaugenmerk richtet sich zurzeit auf die Suurstoffi. Hier gibt es jeden Tag viel zu tun: Es müssen sowohl der reibungslose Ablauf im Gebäudebestand garantiert als auch weitere Möglichkeiten zur Steigerung der Energie-Effizienz erkannt und umgesetzt werden. Gleichzeitig ist auch die Zukunft für unsere Gebäude ein wichtiges Thema: Es gibt Gesetzte und Änderungen der Normen und es kommen neue Technologien auf den Markt. Auch die Anforderungen für die Nutzer werden vermehrt durch Werbung und Marktpreise beeinflusst. Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist es deshalb, diese künftigen Entwicklungen zu erkennen und daraus – zusammen mit unseren technischen Planern – neue Lösungen für unsere Gebäude im Sinne der Zero-Zero-Vision abzuleiten und umzusetzen.

«Es geht darum, die künftigen Entwicklungen zu erkennen und daraus neue Lösungen für unsere Gebäude im Sinne der Zero-Zero-Vision abzuleiten.»

Im Energiebereich setzt Zug Estates nicht auf Labels oder Zertifikate sondern auf ein jährliches Reporting. Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile?

Die Zero-Zero-Vision von Zug Estates lässt sich nicht zu 100 Prozent über bekannte Schweizer Labels oder Zertifikate abbilden, den diese beziehen sich meist auf Gebäude und weniger auf ganze Areale. Am Beispiel des bekannten Minergie-Labels lässt sich dies gut verdeutlichen: Es handelt sich dabei um ein Qualitätssiegel für Gebäude, das die Bauqualität ausschliesslich über den Energieverbrauch bewertet, also anhand des Energiebedarfs pro Quadratmeter beheizter Wohnfläche. Der Ausschluss von fossilen Brennstoffen ist kein Bestandteil des Labels und genügt deshalb nicht für unsere Zero-Zero-Vision, die wir zudem im ganzen Areal umsetzen. Aus diesem Grund haben wir bereits vor Jahren beschlossen, unseren eigenen Standard umzusetzen und diesen in Form von Nachhaltigkeitsberichten zu dokumentieren.

Auf dem Areal der Suurstoffi sind die PV-Anlagen ein wesentlicher Bestandteil zur Erreichung der Ziele. Sind aus Ihrer Sicht künftig auch Fassadenanlagen denkbar?

Fassadenanlagen zeichnen sich gegenüber herkömmlichen Dachanlagen durch geringere Erträge und höhere Kosten aus, vor allem dann, wenn sie farblich und optisch ansprechend in die Aussenfassade integriert werden. Folglich sind die Gestehungskosten für den eigenproduzierten Strom höher und man muss stets abwägen, ob sich der Mehrertrag durch die zusätzlichen Fassadeninstallationen wirtschaftlich rechnet. Nichts desto trotz werden wir bei einigen Neubauten eine Fassadenanlage realisieren. Wir klären aktuell allerdings noch, wie das Verhältnis des Zeitaufwands für die Installation im Vergleich zur erforderlichen Planungszeit ist.

«Die vorhandenen Gebäudelabels decken unsere Bedürfnisse nur zum Teil ab. Aus diesem Grund setzen wir unseren eigenen Standard um und dokumentieren diesen in Form von Nachhaltigkeitsberichten.»

Sehen Sie neben den bereits eingesetzten Pfeilern (solare Nutzung, Erdspeicher und Anergienetz) zur Erreichung des Ziels Zero-Zero weitere technische Möglichkeiten? Wenn ja, welche?

Aufgrund der sich abzeichnenden Differenz zwischen den Einspeise- und Bezugspreisen in und aus dem GRID der Energieversorger ist die entsprechende Zwischenspeicherung des solaren Stroms zukünftig nicht mehr wirtschaftlich. Folglich ergreifen wir bereits heute – im Rahmen der Kurzfrist-Strategie – Massnahmen, um über unser Energiemanagement den Eigenverbrauch für die Wärmeerzeugung im Areal zu maximieren und Nutzer aufgrund der Energiegesetzänderung von 2014 an unserem Strom partizipieren zu lassen. Langfristig betrachtet haben wir mit Untersuchungen von Strom-Speicher-Technologien begonnen, um so die künftige Wirtschaftlichkeit beim Einsatz in Gross-Arealen besser abschätzen zu können. Neben den bekannten Batteriespeichern stehen auch Speichersysteme im Fokus, die auf Wasserstoff und Redox-Flow basieren. Letztgenannte sind aber noch nicht serientauglich.

Das Zentrumsareal in Zug ist im wesentlichen gebaut. Welche Einflussmöglichkeiten haben Sie hier zur Senkung des Anteils des nicht erneuerbaren Primärenergieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen?

Die nachträgliche Integration von Massnahmen zur Unterstützung der Zero-Zero-Strategie ist eine Herausforderung, denn es müssen mehrere Faktoren wie Massnahmen-Effizienz, benötigte Platzreserven und Wirtschaftlichkeit miteinander in Einklang gebracht werden. Wir sind gerade dabei, die entsprechenden Szenarien auszuarbeiten und gegeneinander abzuwägen.

Was erachten Sie aus energetischer Sicht als essenziel bei Arealentwicklungen? Was sind Ihre Erfahrungen in dieser Hinsicht (auch aus dem Praxisalltag)?

Soll ein Areal gemäss unserer Zero-Zero-Vision entwickelt werden, so muss diese auf die Lebensdauer, also ca. 80 Jahre, erfolgen. In diesem Zeitraum ist es notwendig – je nach Änderung von Klima, Nutzerverhalten, Gesetzgebung und Nutzungsmix – ausreichend Wärme oder Kälte flexibel zu erzeugen, um die vorhandenen Erdsondenfelder für die erforderliche Reaktivierung energiebilanztechnisch auszugleichen. Diese Aufgaben erfordern eine gezielte Planung bereits vor der Entwicklung des Areals. Auch Themen wie beispielsweise das arealübergreifend Energie- und Lastmanagement dürfen dabei nicht vergessen werden. Sonst lässt sich die Energiebilanz der Erdsonden und somit die Zero-Zero-Vision über die Areal-Lebensdauer nicht garantieren.

Thomas Laux ist Leiter Energie- und Gebäudetechnik bei Zug Estates.