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Gast­beitrag Klaus Jank: Zuger Wirt­schaft bleibt auf Wachs­tums­kurs

Trotz dynamischer Zuger Wirtschaft und wachsender Bevölkerung ist die Bautätigkeit im Hochbau in den letzten Jahren leicht gesunken. Mittelfristig ist wieder mit steigenden Bauinvestitionen zu rechnen. Ein Gastbeitrag von Klaus Jank, BAK Economics AG.

 

Zuger Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs

Der schwungvolle Expansionskurs der Zuger Wirtschaft hat sich gemäss unseren Schätzungen auch 2018 fortgesetzt. Wir gehen von einem kantonalen Wirtschaftswachstum von 2.7 Prozent im vergangenen Jahr aus (CH: +2.5%). Damit hält der positive Trend der letzten Jahre an, denn zwischen 2010 und 2017 gehörte Zug zu den Top 5 der wachstumsstärksten Kantone. Wir rechnen auch für die Jahre 2019 und 2020 mit einem robusten BIP-Wachstum von jeweils 2.0 Prozent im Kanton Zug. Damit wächst die Zuger Wirtschaft auch zukünftig dynamischer als der Gesamtschweizer Durchschnitt (CH 2019: +1.1%, 2020: +1.8%).

Ausschlaggebend für die starke Performance des Kantons ist die positive Entwicklung in den wichtigsten Zuger Branchen. Dazu gehören nicht nur der Grosshandel und der Finanzsektor, sondern immer stärker auch Unternehmen der Informationstechnologie, der Unternehmensführung und insbesondere der Pharmaindustrie. So haben etwa sowohl Roche als auch Novartis in Risch Rotkreuz wichtige Standorte aufgebaut.

Gute Standortbedingungen sorgen für neue Firmenansiedlungen

Die hohe Attraktivität des Kantons zeigt sich auch an den stetigen Firmenansiedlungen. Beispielsweise wird der Autohändler AMAG Ende 2019 seinen Hauptsitz nach Cham  verlegen und 900 neue Arbeitsplätze generieren. Per 1. November 2018 verlagerte Mobilezone seinen Hauptsitz von Regensdorf ins Suurstoffi-Areal. Zudem verliess der Carsharing-Anbieter Mobility im vergangenen Jahr Luzern, um ebenfalls in die Suurstoffi nach Rotkreuz zu ziehen, und auch der Zementriese Lafarge-Holcim hat seinen Hauptsitz nach Zug verlagert. Zwar hat jüngst das Pharma- Unternehmen Shire angekündigt, den Kanton zu verlassen, doch insgesamt zeigt der Trend bei den Firmenansiedlungen klar nach oben.

Ein wichtiger Grund für die hohe Attraktivität für internationale Unternehmen ist das gute Gesamtpaket aus günstigem Steuerumfeld, vielen hochqualifizierten Arbeitskräften, der ausgezeichneten Erreichbarkeit dank der Nähe zum Flughafen Zürich und dem Angebot an internationalen Schulen. Auch wenn die Steuerprivilegien für Holding- und Domizilgesellschaften voraussichtlich bald wegfallen, wird Zug dank der geplanten Einführung eines Einheitssteuersatzes von  12 Prozent steuerlich weiterhin attraktiv bleiben.

Wirtschaftswachstum kurbelt die Zuwanderung an

Das kräftige Wirtschaftswachstum der letzten Jahre und die dadurch hohe Nachfrage nach Arbeitskräften ging mit einer überdurchschnittlichen Bevölkerungsdynamik im Kanton Zug einher. Im Jahr 2017 stieg die Bevölkerung mit einem Plus von 1.2 Prozent so stark wie in keinem anderen Schweizer Kanton (CH: +0.7%).


Bautätigkeit dürfte auch 2019 leicht sinken

Trotz der dynamischen Zuger Wirtschaft und der wachsenden Bevölkerung ist die Bautätigkeit im Hochbau in den letzten Jahren leicht gesunken. Im Jahr 2017 sank die Hochbautätigkeit um 1.2 Prozent, während in der Schweiz die Hochbauinvestitionen um 2.1 Prozent expandierten. Damit erreichte das Hochbauvolumen im Kanton Zug ein Niveau von rund CHF 830 Millionen im Jahr 2017 und lag damit deutlich unter den zu Beginn des Jahrzehnts erreichten Werten von über CHF 1 Milliarde pro Jahr. Für 2018 sind noch keine offiziellen Zahlen zu den kantonalen Hochbauinvestitionen erhältlich, doch der laut dem Schweizer Baumeisterverband zu verzeichnende Rückgang der Bautätigkeit im Bauhauptgewerbe lässt eine erneut verhaltene Entwicklung erwarten. Vor allem im Wohnbau deuten die Zahlen des Baumeisterverbands auf ein Minus im vergangenen Jahr hin.

Wir gehen auch für das Jahr 2019 von leicht sinkenden Hochbauinvestitionen im Kanton Zug aus. Denn die vorauslaufenden Indikatoren (Baubewilligungen und Baugesuche) befinden sich seit einiger Zeit in einem Abwärtstrend. Somit fällt derzeit trotz dem kräftigen Bevölkerungswachstum die Bautätigkeit nur verhalten aus. Hierzu trägt bei, dass bezahlbares Bauland im Kanton Zug sehr knapp ist und Investoren daher Schwierigkeiten haben, geeignete Grundstücke zu finden. Zudem wurde das Grossprojekt Unterfeld von der Bevölkerung an der Urne abgelehnt, wodurch kurzfristig einiges an geplantem Bauvolumen weggefallen ist.

Leerstände in Zug weiter auf sehr tiefem Niveau

Während in der Schweiz in den letzten Jahren die Leerstände aufgrund der starken Wohnbautätigkeit deutlich gestiegen sind, lag die Leerstandsquote im Kanton Zug 2018 unverändert bei sehr tiefen 0.4 Prozent (CH: +1.6%). Kein anderer Kanton weist eine derart tiefe Quote auf. Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage hat auch dazu beigetragen, dass die Preise für Wohneigentum im Kanton Zug 2018 wieder gestiegen sind. Dadurch liegt der Immobilienmarkt Zug schweizweit mit an der Spitze beim Preisniveau.

Mittelfristig ist wieder mit steigenden Bauinvestitionen zu rechnen

Mittelfristig sind die Perspektiven für den Hochbau im Kanton Zug intakt. Gemäss dem aktuellen Bevölkerungsszenario des Bundesamts für Statistik dürfte die Zuger Bevölkerung von aktuell rund 125 000 bis zum Jahr 2030 auf über 140 000 Einwohner ansteigen. Die Nachfrage nach Wohnraum wird somit weiter zunehmen, was den Wohnbau mittelfristig ankurbeln sollte. Dabei wird es aufgrund des knappen Baulands notwendig sein, noch deutlich verdichteter zu bauen als heute. Auch neue Hochhäuser sind gefragt, um die Wohnungsknappheit zu reduzieren. Das Zinsumfeld dürfte ebenfalls noch einige Zeit günstig bleiben, denn wir gehen davon aus, dass die SNB in den kommenden Jahren die Leitzinsen nur sehr behutsam erhöhen wird, um keine kräftige Aufwertung des Frankens zu riskieren. Die Hypothekarzinsen dürften daher nur langsam ansteigen, so dass die Finanzierungsbedingungen noch einige Zeit attraktiv ausfallen werden.

Auch im Gewerbebau sind im Kanton Zug mittelfristig steigende Bauinvestitionen zu erwarten. Die guten Perspektiven für die Zuger Wirtschaft sollten mit einer zunehmenden Nachfrage nach Büroflächen einhergehen. Insbesondere, wenn es weiterhin gelingt, neue Firmen nach Zug zu locken, sind neue Grossprojekte im Bürobau wahrscheinlich.

Der Autor

Klaus Jank (Diplom-Volkswirt) ist Projektleiter bei BAK Economics und vor allem in den Bereichen Hochbauprognose, Makromodell/-prognose sowie bei Technologieanalysen tätig. Auf Branchenebene betreut er zudem den Immobiliensektor.

BAK Economics